Haben Sie bzw. hast du schon einmal über eine Onlinetherapie nachgedacht?
Dass man für eine psychotherapeutische Behandlung eine Praxis aufsuchen und dort im Sessel sitzen oder gar auf dem Sofa liegen muss, war gestern. Inzwischen finden immer mehr Therapien ausschließlich online statt. Onlinetherapien haben dabei vielleicht nicht nur, aber sicherlich auch Vorzüge gegenüber der klassischen Psychotherapie…
Remote Settings sind mit der Option Onlinetherapie weiter auf dem Vormarsch
Während die Jüngeren diese Option bereits häufig für sich nutzen, sind ältere Menschen oft noch skeptisch – Zu Unrecht, wie wir aus der Forschung wissen, denn die Wirksamkeit von Onlinetherapie ist inzwischen wissenschaftlich gut belegt. Schwerpunkte der Forschung lagen bislang auf den häufigsten psychischen Erkrankungen: Angststörungen und Depressionen. Viele Plattformen, aber auch Krankenkassen bieten Onlinetherapie heute für Versicherte oder Selbstzahler an. Dies bietet Vorteile für diejenigen, die eine psychische Krise erleben, dauerhaft unter Symptomen leiden oder empfundene Belastungen erst einmal mit fachkundiger Hilfe einordnen möchten.
Top 10 Vorteile von Onlinetherapie
Platz 1 – Kurzfristige Verfügbarkeit remoter Psychotherapie
Die reguläre aktuelle Wartezeit auf einen ambulanten Therapieplatz in einer niedergelassenen psychotherapeutischen Praxis beträgt etwa drei bis neun Monate. Wer sich jedoch in einer akuten Krise befindet oder an sich Symptome bemerkt, benötigt schnelle Hilfe, damit Störungen nicht chronisch werden. Eine Onlinetherapie kann in aller Regel deutlich kurzfristiger begonnen werden als eine Psychotherapie vor Ort.
Platz 2 – Durch Onlinetherapie Wegstrecken vermeiden
Klimawandel, hohe Spritpreise, Verspätungen im öffentlichen Nahverkehr… Es gibt viele gute Gründe, sich lieber in eine Online-Session einzuwählen, als irgendwo hinzufahren. So kann auch zusätzlicher unnötiger Stress vermieden werden, den man im Alltag meistens ohnehin genug hat.
Platz 3 – Zeitersparnis durch virtuelle Psychotherapie
Anschließend an die Ersparnis hinsichtlich Energieressourcen, haben wir mit einer Onlinetherapie auch mehr von einer Ressource, die für uns alle endlich und bei den Meisten immer knapp ist: Zeit. Selbst, wenn es „nur“ ein bis zwei Stunden pro Woche sind, die wir hierdurch gewinnen – Diese Zeit kann woanders fehlen und lässt sich auch im Sinne der mentalen Gesundheit sicher besser investieren, etwa für einen Spaziergang, Sport oder Entspannungsübungen.
Platz 4 – Kinder und Haustiere sind betreut
Insbesondere etwa für Alleinerziehende kann es schwierig sein, neben der Berufstätigkeit zusätzliche Vor-Ort-Termine in der Psychotherapie-Praxis wahrzunehmen. Muss jedes Mal ein Babysitter organisiert werden, wird dies meist als zusätzliche Belastung erlebt. Und auch z.B. Hundebesitzer, die Vollzeit arbeiten, tun sich oft schwer, nach Dienstschluss noch weitere außerhäusige Termine zu legen. Findet die Therapie online statt, ist diese insofern leichter in den Alltag zu integrieren.
Platz 5 – Eine remote Therapie ist oft günstiger
Psychotherapeuten, die ausschließlich online Therapie anbieten, können sich teure Raummieten in der Regel ganz sparen. Kollegen und Kolleginnen, die sowohl vor Ort, als auch im Online-Setting arbeiten, haben Gelegenheit, ihre Räume tage- oder stundenweise unterzuvermieten. Darüber hinaus können auch Seitens der Therapeuten Fahrtkosten und -zeiten eingespart werden. So können Onlinetherapien deutlich günstiger sein. Wer eine psychotherapeutische Begleitung hochfrequent oder über längere Zeit in Anspruch nimmt, für den kann dies unterm Strich viel ausmachen.
Platz 6 – Bessere Verfügbarkeit nach Feierabend
Viele Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen bieten für Onlinetermine Zeitfenster an, die sie vor Ort nicht anbieten würden. Auch hier spielt die erleichterte Integration in den Alltag durch die Option Homeoffice eine Rolle. So bieten wenige niedergelassene Praxen Termine noch in den Abendstunden an. Im Rahmen einer Onlinetherapie ist dies jedoch oft gut möglich.
Platz 7 – Allgemein höhere Flexibilität von Therapie im Onlineformat
Insgesamt zeigt sich, dass eine virtuelle Psychotherapie den Anforderungen eines dynamischen Alltags besser gerecht werden kann: Termine können von überall aus und zu jeder Zeit problemlos wahrgenommen werden. Und: Niedergelassene Praxen vergeben vorzugsweise Serientermine, die jede Woche am gleichen Tag um die gleiche Uhrzeit stattfinden. Remote Termine hingegen können meist relativ spontan und zu wechselnden Tagen und Uhrzeiten angefragt werden.
Platz 8 – Große Auswahl an Anbietern von Onlinetherapie
Bei einer Therapie vor Ort haben Patienten heutzutage vermehrt das Gefühl, „nehmen zu müssen, was man kriegen kann“. Dies mag daran liegen, dass es eine Vielzahl von Kontakten und meist mehrere Monate Wartezeit erfordert, um ein Erstgespräch zu ergattern. Echte Wahlmöglichkeiten können eher im Online-Setting entstehen: Hier nimmt man bei verschiedenen Anbietern in etwa derselben Zeitspanne Gespräche in Anspruch und kann so eine Vergleichbarkeit herstellen. Möglich wird die, indem die Anzahl der in Frage kommenden Therapeuten ungleich höher und die Verfügbarkeit besser gegeben ist.
Platz 9 – Niedrigschwelligkeit des Aufnehmens und Auflösens von Verbindung
Dieser Punkt knüpft wiederum unmittelbar an den vorherigen an: Die Verbindlichkeit ist in einer Onlinetherapie deutlich geringer als bei einer Vor-Ort-Behandlung. Was manche Psychotherapeuten als problematisch empfinden würden, sehe ich als systemische Therapeutin weitgehend positiv: Die Selbstwirksamkeit in der Autonomie gerade auch im Prozess der Auswahl eines passenden Therapeuten ist fundamental wichtig für ein gutes Priming der therapeutischen Zusammenarbeit!
Platz 10 – Ach wie gut, dass niemand weiß..
„Ah, hallo, schön dich zusehen – Was machst du hier?“ Natürlich wäre es erfreulich, wenn Psychotherapie endlich vollständig entstigmatisiert würde. Dann könnte man diese Frage auf dem Weg in die therapeutische Praxis genau so unbefangen beantworten wie überall sonst. Aktuell kann es aber eben noch gute soziale Gründe geben, weshalb man hier nicht wahrheitsgemäß antworten oder beim Betreten einer psychotherapeutischen Praxis gesehen werden möchte. Eine Onlinetherapie ermöglicht in dieser Hinsicht maximale Privatsphäre und die Datenschutzanforderungen der hierfür genutzten Onlinetools sind in der Regel sehr hoch.
